Eines der schönsten Fachwerkhäuser mit dem Charme einer Hazienda
By Lothar Rolf Luhm on Sep 20, 2007 in Allgemein
Als Alfred Prüßen-Bähre seine Else heiratete, verlosch der Name der alten Patrizierfamilie Ehlers-Bödeker an der Osterstraße. Sohn Fabian bewahrt das Erbe hinter dem Pflug.
Eines der schönsten 4-Ständer-Häuser mit dem Charme einer spanischen Hazienda ist jenes an der Osterstraße 5 im alten Lehrter Dorf, das vor 157 Jahren erbaut wurde. Da den Giebelbalken des Wohnhauses weder Inschrift noch Namen zieren, lässt ein Blick in die Ahnentafel vermuten, dass Heinrich Conrad Wilhelm Bödeker es errichten ließ, nachdem er Anfang des 19. Jahrhunderts Dorothee Christine Louise Molsen geheiratet hatte.
Eins der schönsten Fachwerkhäuser im Lehrter Dorf ist das der Familie Bähre, das besonders durch eine außergewöhnliche Fassade auffällt. Es wurde 1848 erbaut.
Aus dieser Ehe gingen acht Kinder hervor, fünf Söhne und drei Töchter, die der Bödekerlinie in Lehrte auf unterschiedlichen Posstionen zu weiterem Ansehen verhalfen. Der letzte Bödeker auf dem Hof war Wilhelm Ehlers- Bödeker, der den eigentlichen Erben, seinen 1944 gefallenen Sohn Wilhelm, um drei Jahre überlebte. Als Tochter Else Ehlers-Bödeker 1947 Alfred Prüßen-Bähre heiratete, der übrigens drei Hofstellen mit in die Ehe brachte, verschwand der Name Bödeker aus dem Verzeichnis des unter der Nr. 2 im Brandkataster geführten Hofes, der heute noch zu den größten landwirtschaftlichen Betrieben der Stadt Lehrte zählt.
Das 1848 erbaute und oft bestaunte Fachwerkhaus steht zwar nicht unter Denkmalschutz, ist aber mit seiner außergewöhnlichen Fassade durchaus schutzwürdig. Und vertraut man dem Zimmermann, der sich mit Jahreszahl 1823 in einen Balken der inzwischen abgerissenen Scheune verewigt hat, so muss schon früher ein Haus an dieser Stelle gestanden haben. Alte Höltingsprotokolle beweisen, dass die Bödekers seit Anno 1440 in Lehrte ansässig sind. Stolz sind die jetzigen Eigentümer Wilhelm Bähre und Ehefrau Marita, geb. Mund, auch darauf, dass ihr ältester Sohn Fabian als Landwirtschaftsmeister weiterhin das Erbe hinter dem Pflug bewahren will.
Patrizierfamilien mit verbrieften Rechten der Freien in Lehrte
Der Stammbaum der Bähres ist tief verwurzelt im Lehrter Dorf. Blättert man in vergilbten Folianten, dann finden wir bereits Ende des 17. Jahrhunderts einen Ackermann Bähre, der das verbriefte Recht der Freien besaß, sein eigen Grund und Boden zu verkaufen, zu vererben oder durch Heirat teilen zu lassen. Im Laufe der Jahre vergrößerte sich nicht nur die Familie der Bähres, sondern auch deren Grundbesitz. Auch Kötner Heinrich, Friedrich, Wilhelm, Karl Prüßen-Bähre – gerufen Wilhelm.-. hatte es unter den Reihenstellenbesitzern zu etwas gebracht und so manchen Golddukaten auf die hohe Kante gelegt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Reihenstellenbesitzer Alfred Prüßen-Bähre drei Hofstellen mit in die Ehe brachte, als er Else Ehlers-Bödeker heiratete. Die Wurzel der Bödekers finden wir im Raum Hildesheim, wo sie alten Handwerker- und Patrizierfamilien angehörten und als bischöfliche Beamte und Kaufleute zu großem Ansehen gelangten. Zwischen 1400 und 1700 wanderten sie zu Scholle zurück, insbesondere auch in den Raum Lehrte, wo sie als Freie unter den Welfen mit ansehnlichen Lehen bedacht wurden. Von Bedeutung ist hier der Lehnsbrief von Wilhelm IV., König von Großbritannien, König von Hannover und Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, zu Händen von Johann Heinrich Bödeker-Lampen, der als schreibkundiger Lehnsältester insgesamt 46 Vettern zu vertreten hatte. Er war der letzte Lehnsälteste der Lehnsfamilie Bödeker -Lampen-Ehlers, die von 1443 bis 1839 bestand.

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