Bäckermeister Louis Eggers und sein Rhabarberkeller
By Lothar Rolf Luhm on Sep 20, 2007 in Allgemein
Bürgermeister Claus von Borcke – noch taufrisch im Amt – konnte sich erst nach mehrmaliger Prüfung der Unterlagen entschließen, einem Bauantrag von Bäckermeister Louis Eggers zuzustimmen. Immerhin war es außergewöhnlich, weit weg vom eigentlichen Stadtgebiet am Waldrand der Hohnhorst ein mehrgeschossiges Wohnhaus zu errichten, obwohl nur ein Feldweg dorthin führte. Schließlich erteilte der Magistrat mit Wirkung vom 30. Januar 1902 die Baugenehmigung, zumal auch Stadtbaumeister Max Huguenin keine Bedenken hatte.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Meister Eggers seinen erlernten Beruf längst an den Nagel gehängt, zumal er von seinem Vater her noch eine kleinen Bauernhof geerbt hatte, dem er sich ebenfalls mit großer Hingabe widmete. Doch von Anfang an hatte er vermutlich ein Ausflugslokal im Auge, denn bereits Anno 1911 ließ er seinem Haus von Maurermeister Gustav Eschemann eine Veranda anbauen und eröffnete eine Gastwirtschaft mit angegliedertem Kaffeegarten. Gebacken wurde fortan nur noch Plattenkuchen, belegt mit Äpfeln und anderen Früchten aus dem Garten. Für hungrige Gäste hatte Mutter Eggers stets etwas Besonderes aus der hauseigenen Schlachterei parat.
Gute Handwerksarbeit offenbaren nicht nur die Vorderseite des Hauses, das vor rund 100 Jahren errichtet wurde, sondern auch ein Blick hinter die Fassade.
War es die Aussicht mitten im Winter ein Stück Kuchen mit frischem Rhabarber verzehren zu können oder die Aussicht auf einen deftiger Grog nach geheimen Eggerschen Rezept. Auf jeden Fall hatte der “alte Louis” selbst bei Schnee und Eis stets ein volles Haus, zumal auch hin und wieder zum Tanz aufgespielt wurde. Den Rhabarber baute Eggers übrigens im Keller unter der Hausveranda an, den er wintertags mit Hilfe von Heizungsrohren wohlig warm hielt. Aus einem alten Wirtschaftsbuch geht hervor, dass Eggers seinen Winterrhabarber nebst Äpfeln von seiner eigenen Plantage auch an Kunden in Königsberg und Magdeburg versandte.
Das im Backsteinstil errichtete Haus steht zwar nicht unter Denkmalschutz, ist aber durchaus schutzwürdig. Trotz zahlreicher Umbauten ist zu erkennen, insbesondere an den Fenstern, dass Max Huguenin nicht nur als Stadtbaumeister, sondern auch als Architekt hier mitgewirkt hatte. Zu Beginn der 50er Jahre setzten sich die alten Eggers zur Ruhe, so dass im Laufe der Zeit sich die unterschiedlichsten Mieter die Türklinke in die Hand gaben – meist Gastronomen. Inzwischen hat Rainer Eggers Haus und Hof seines Großvaters übernommen. Apfel- und Rhabarberkuchen gibt es dort nicht mehr, auch keine Live-Musik. Aus Gastwirtschaft und Kaffee sind wieder schmucke Wohnungen geworden.

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