Der Knauerhof: Einen Türkensäbel im Familienwappen.
By Lothar Rolf Luhm on Sep 25, 2007 in Allgemein
Ahnen waren Heimatvertriebene aus Österreich
Wenn man nach denkmalgeschützten Häusern sucht oder solchen, die durchaus schutzwürdig sind, dann ist das alte Lehrter Dorf eine wahre Schatztruhe. Da gibt es Giebelverzierungen oder auch Türbalken aus knorriger Eiche, die einen Rückblick in längst vergangene Zeiten ermöglichen, so auch auf dem Bauernhof von Jürgen und Claudia Behre an der Osterstraße Nr.: 15. Das über hundert Jahre alte Fachwerkhaus, das vermutlich von Zimmermeister Bödecker erbaut wurde, ist heutzutage ein Schmuckstück, nicht nur für die Osterstraße, sondern für das ganze Dorf.
Zwar mußte 1945 bei der Renovierung der Giebel versetzt werden und die alte Diele mußte weichen, doch die stilecht erneuerte Fassade kommt dadurch jetzt besonders zur Geltung. Heinrich Wilhelm Bertram hatte das Haus 1871 erbauen lassen, dann aber die Landwirtschaft aufgegeben und sich in einem neuen Haus in der Ramhorst zur Ruhe gesetzt. Für die jungvermählten Knauers, deren Erben die heutige Familie Behre ist, bot sich so die Gelegenheit, Haus und Hof zu kaufen und sich eine neue Existenz aufzubauen.
Zu den ältesten Bauernhöfen im Lehrter Dorf gehört der Knauerhof. Interessant ist seine Geschichte. Die ersten Bauern kamen als Heimatvertriebene aus Österreich nach Lehrte.
Noch interessanter als die Vergangenheit dieses Knauer-Behre-Hofes ist die Familiengeschichte der Knauer-Behres, deren Vorfahren mütterlicherseits einst in Melk an der Donau in Niederösterreich beheimatet waren. Weil sie ihrem protestantischen Glauben nicht abschwören wollten, mußten sie Österreich verlassen. Ende des 17. Jahrhunderts fanden sie als Heimatvertriebene im Kurfürstentum Hannover Braunschweig eine neue Heimat.
Bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts ist von einem Augustinus Khnauer die Rede, der als Marktrichter in der Gemeinde Melk ein angesehener Mann war und aus dem Türkenkrieg einen wertvollen Türkensäbel mitgebracht hatte, den die Khnauers fortan in ihrem Wappen führen. Augustinus gilt als letzter katholischer Ahnherr der Familie. Seine Söhne Caspar und Hans traten zur protestantischen Lehre über, was böse Folgen hatte, als Erzherzog Ernst von Österreich 1588 die Gegenreformation ausrief.
Sie wurden vor die Wahl gestellt, entweder zur allein seligmachenden katholischen Religion zurückzukehren oder innerhalb von sechs Wochen und drei Tagen sämtliche Kaiserliche Erblande zu verlassen. Caspar und Hans weigerten sich standhaft, dieser Aufforderung nachzukommen. Sie verließen im April 1588 mit acht anderen Melker Familien die Heimat ihrer Väter.
Bekannt ist, dass Caspar Khnauer mit seiner Familie in Schwandorf in der Pfalz Neuburg eine neue Heimat fand, wo sein 1650 geborener Sohn, der auch Caspar hieß, Anno 1617 zum Bürgermeister gewählt wurde. Er starb bereits 1620 und nach dem Tode seiner Frau Margarethe 1633 wurden die früh verwaisten Söhne bei ihrem Oheim, dem Amtmann
Balthasar Khnauer zu Salzhemmendorf im Amt Lauenstein erzogen. Von diesen Söhnen des Bürgermeisters Caspar Khnauer wirkte Caspar Ulrich Khnauer zuletzt als Vogt in Kirchrode bei Hannover, wo er 1694 gestorben ist.
Stolz ist der 85jährige Wilhelm Behre auf das Familienwappen mit einem Türkensäbel.
Hier in Kirchrode änderte sich einiges für die Khnauerfamilie, auch die Namensschreibung. Der älteste Sohn Heinrich Christoph wurde 1697 durch Heirat mit der Witwe Dorothea Christine de Runtzier, geb. von Berkhausen, Grundbesitzer in Misburg, während Bruder Georg David als Hofkonditor nach Hannover übersiedelte. Der Misburger Familienbesitz, der 1942/43 durch Fliegerbomben zerstört wurde, gehörte zuletzt Heinrich Friedrich Wilhelm Knauer, der 1944 verstarb.
Sein Bruder Karl Heinrich Adolf Knauer hatte bereits Mitte des 19. Jahrhunderts Misburg verlassen und war in Lehrte ansässig geworden, wo er am 8. Mai 1892 Berta Pries Bödecker heiratete. Sie wohnten auf einem Kötnerhof , von dem es hieß, an liegt an der Brücke hinter Molsen. Noch heute ist ein über 100 Jahre altes Gebäude aus dieser Zeit vorhanden, und zwar an der jetzigen Marktstraße. Diesen Hof mit der Katasternummer 65. verkauften die Knauers bereits 1894 an den Zimmermann Nöhre und ziehen auf ihren neuen Bauernhof an der Osterstraße 15, den sie Heinrich Wilhelm Bertram abgekauft hatten. Der älteste Knauer-Sohn Adolf heiratete später Erna Bödecker. Sie war die Mutter von Irmgard Behre, der letzten Knauertochter, deren 85jähriger Ehemann Wilhelm ( verstorben am 2.12.07) weit über die Stadt Lehrte hinaus einen Namen als Heimatforscher erworben hat. Mit dieser Heirat verschwand der Name Knauer, der jetzt nur noch in alten Urkunden und natürlich im Familienwappen vorkommt.

Post a Comment
You must be logged in to post a comment.