Ein Haus mit Jagdrecht auf den Silbervogel
By Lothar Rolf Luhm on Sep 20, 2007 | In Allgemein | No Comments »
Amtsrichter Günter Busche ist auch Reihenstellenbesitzer in Dolgen
Das aus gelben Klinkern im Reichsformat errichtete ehemalige Wohn- und Geschäftshaus am Kapellenberg Nr. 4 ist das einzige neben der rund 300 Jahre alten St.-Margarethen-Kapelle, das in Dolgen unter Denkmalschutz steht. Auch heute noch ist es ein das Ortsbild prägender Mittelpunkt, obwohl es im Dorf noch weitere markante Häuser und Höfe gibt, wie zum Beispiel den Stullehof. Erbaut wurde das Klinkerhaus Anno 1883 im sogenannten historischen Stil vom Maurermeister Fricke aus Groß Lobke im Auftrag von Heinrich Wilhelm Schlüter und Ehefrau Elise, die das Grundstück von Heinrich Rose, einem kinderlosen Verwandten, geerbt hatten. Von Heinrich Rose weiß man zu berichten, dass er ein steinreicher Mann gewesen sei. Alljährlich zum Jahreswechsel sei er auf den Boden seines Hauses gegangen, hätte eine eisenbeschlagene Truhe geöffnet und bei Kerzenlicht seine Ersparnisse gezählt. Seine Erben hätten die Schatztruhe nicht tragen können. Bis oben hin sei sie mit Goldstücken gefüllt gewesen.
Im sogenannten historischen Stil erbaut ist dieses markante Klinkerhaus, das Maurermeister Fricke im Auftrage der Schlüters vor 120 Jahre errichtete. Es steht unter Denkmalschutz.
Obwohl die Schlüters eigentlich Bauern waren, hatten sie mit der Landwirtschaft nicht mehr allzu viel im Sinn. Sie hatten ihr neues Haus so geplant, dass im Erdgeschoss ein Kolonialwarenladen und eine Gastwirtschaft Platz fanden. Ihre Wohnung verlegten sie ins Obergeschoss, während die nächste Etage mehr oder weniger als Bodenraum genutzt wurde. Noch heute ziert das Wappen des
Großen Freien die Hausfront und erinnert zugleich an die Gastwirtschaft gleichen Namens, in der die Bauern des Dorfes sich einst zum gemütlichen Snack trafen, Hochzeiten feierten und Vereine ihre Treffen abhielten.
Der Name Schlüter ging “verloren”, als der Hoferbe Heinrich Wilhelm Schlüter aus dem Ersten Weltkrieg nicht mehr zurück kam und seine Tochter Lieselotte den in Lehrte beheimateten Eisenbahnersohn Karl Busche geheiratet hatte. Die Busches führten den elterlichen Betrieb wie gehabt weiter, da Ackerland auf dem Schlüterschen Reihenstellenhof, der im Brandkataster die Nummer 2 trägt und zu den vier sogenannten Kegelhöfen des Dorfes zählte, keine Rolle mehr spielte. Mitte der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurden die Türen der Gastwirtschaft und des Kolonialwarenladens für immer geschlossen, da die Eheleute keinen Nachfolger fanden.
Heute ist Günter Busche Eigentümer des Klinkerhauses, der sich mit seiner Zwillingsschwester das Erbe geteilt hat und als wohl bestallter Amtsrichter jetzt in Lehrte wohnt. Er hat das 120 Jahre alte Haus von Grund auf sanieren lassen und zwei zeitgemäß
ausgestattete Wohnungen eingerichtet, die beide jeweils 150 qm Wohnfläche bieten. Die Mieter freut’s, zumal ihnen darüber hinaus ein ebenso großer Boden und ein noch viel größerer Garten zur Verfügung stehen.
Amtsrichter Günter Busche (links) ist stolz auf sein Erbe, das ihn als Reihenstellerbesitzer berechtigt, auf den Dolgener Silbervogel zu schießen.
Natürlich besucht Amtsrichter Busche immer wieder sein Elternhaus und plaudert mit alten Schulfreunden, zumal er durch sein Erbe auch zum Reihenstellenbesitzer geworden ist. Dadurch hat er das Recht, auf den Silbervogel zu schießen, den Christian Ludwig von Celle, Herzog des Lüneburger Landes, 1652 seinen Bauern in Dolgen gestiftet hatte. Ein Privileg, dass ausschließlich Reihenstellenbesitzern zusteht, bzw. deren Hoferben, sofern sie das 21. Lebensjahr erreicht haben. Günter Busche meint, mit 54 Jahren sei er inzwischen alt genug, um es auch einmal zu versuchen. Liebend gern möchte er den Silbervogel abschießen, der alle sieben Jahre ausgeschossen wird – vermutlich ist es 2008 wieder soweit.











